#KopenhagenYstad2024
„Papa, wir müssen mal in einem Land radeln, in dem Du noch nie warst…“ sprach K2 und hatte damit wie so oft recht.
Auch wenn ihr Hauptanliegen war, dass ich dort keinen Wissens- oder Erfahrungsvorsprung haben würde.
Seit Dänemark 2019 hatte ich schon den Wunsch, nach Schweden zu radeln. Und so schlug ich das dann auch vor.
Konkret war mein Vorschlag, in Kopenhagen zu starten, den Øresund von Helsingør nach Helsingborg zu queeren und dann die schwedische Südküste bis Ystad zu radeln. Und siehe da, mein Vorschlag fand Wohlgefallen, auch und besonders wegen Kopenhagen, wo wir beide gerne hin wollten.
Tag 1 Anreise 14 km
Fahrradmitnahme im ICE 4 stand auch noch auf meiner Bucketlist, was von Karlsruhe bis Hamburg auch sehr gut und unspektakulär funktioniert hat. Wir waren sogar so pünktlich, dass wir mit etwas Rennerei in Hamburg Hbf einen RE früher erwischt haben. Dadurch konnten wir in Flensburg noch Proviant nachfassen und etwas Sightseeing machen.

Die Weiterfahrt mit der DSB war dann auch recht angenehm, nachdem wir ein kleines Missverständnis mit dem dänischen Bahnpersonal behoben hatten. Auch dort hilft freundliches Nachfragen weiter.

Kopenhagen hat uns bereits am Bahnhof sehr freundlich empfangen.
Und dann haben wir uns voll als Touris geoutet😉
Ich hab vorher noch im Scherz gesagt, ich möchte mal in einen Fahrradstau geraten…
Naja, wir waren dann schnell der Auslöser für einen solchen, weil wir uns nicht kundig gemacht hatten, wie man in Kopenhagen links abbiegt. Wir waren auch trotz Rennrädern zu langsam, so dass ständig Lastenräder an uns vorbeigeschossen sind.
Tag 2 Kopenhagen 27 km (innerstädtisch)
Am nächsten Tag haben wir die vielen Sehenswürdigkeiten mit den Rädern abgeklappert: Schloss Rosenborg,

den Nyhavn,

die kleine Meerjungfrau,
Wachablösung in Schloss Amalienborg, Copenhill

und (was mein persönliches Highlight hätte werden sollen) die Cykelslangen, die aber leider wegen Renovierungsarbeiten gesperrt war. So haben wir immerhin rausgefunden, warum diese Fahrradbrücke so wichtig ist. Die Umleitung war ein Graus.
Abends waren wir so happy aber auch völlig geschafft vom Radverkehr in Kopenhagen, dass wir mit Bus und Metro zum Abendessen gefahren sind.
Tag 3 Kopenhagen – Helsingborg 71 km
Wir hätten von Kopenhagen den Küstenradweg Richtung Norden nehmen können, haben uns aber entschieden, durchs Hinterland zu radeln.

So kamen wir bei Dauerregen an Schloss Frederiksborg …

… und Schloss Fredensborg vorbei.

Helsingør haben wir möglicherweise ein wenig Unrecht getan und nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt.

Aber wir saßen dort immerhin im Café um uns aufzuwärmen und haben eine Unterkunft in Helsingborg und die Fähre dorthin gebucht und schwupps ging es auch schon nach Schweden rüber.

Noch schnell ein Blick auf Schloss Kronborg, wo William Shakespeare die Handlung seines Hamlet ansiedelte.

Im Restaurant Chay in Helsingborg haben wir sehr lecker gegessen.
Wie auch in Kopenhagen haben wir uns abends mit Öffis fortbewegt, was sehr einfach und gut funktioniert hat. App des lokalen Verbundes runterladen, Kreditkartennummer eingeben, Ticket kaufen und los.
Tag 4 Helsingborg – Malmö 87 km
… und damit neuer Streckenrekord für K2. Wir wollten eigentlich schon mittendrin ne Unterkunft suchen, aber dann lief es so gut.

Ab Helsingborg bewegten wir uns auf dem Sydkustleden (Südküstenradweg) mit der Nummer 3…

… und meist mit Blick auf die Skyline von Kopenhagen.
Apropos Kreditkarte! Wir brauchten eigentlich nie Dänische oder Schwedischen Kronen in bar.

Nur im Pumphuset-Museum in Borstahusen hätten wir Kleingeld gebraucht. Da haben wir ein paar Dänische Münzen eingeworfen, die ich noch hatte und einen kleinen Brief zur Entschuldigung.

Der Sydkustleden geht nicht immer direkt an der Küste entlang.

Die Öresundbrücke sieht man trotzdem fast immer.

Die Kaffeeversorgung war auch stets gesichert.

In Malmö hatten wir ein bisschen den Verdacht, um was zu erleben, fahren die Leute schnell über die Öresundbrücke nach Kopenhagen. Die Stadt war jetzt eher nicht überlaufen. Wir hatten es trotzdem schön im Teaterhotellet und waren schön essen im Manto.
Tag 5 Malmö – Skanör auf Falsterbo 52 km
Das ist halt das Ding mit der Öresundbrücke. Sie lässt diese Metropolregion eng zusammenwachsen.

Und man sieht sie ständig😉

Ist halt auch ein beeindruckendes Bauwerk.

Der Bahnradweg auf der Vellinge–Skanör–Falsterbo Järnväg brachte uns nach Skanör auf der (Halb-)insel Falsterbo und ins dortige Gästgifvaregård (Gasthaus).

Sehr hübsch dort am Hafen. Es gibt auch eine Art Badehaus, wo man über Leitern in die Ostsee kann, ohne Sand an den Füssen. Was für den Radtouristen ja durchaus vorteilhaft ist.
Baden im Meer? Check!
Tag 6 Skanör – Skivarp 72 km
Am Tag 6 fingen wir dann an zu rechnen, weil die Fähre ab Ystad schon gebucht war. So haben wir uns also etwas Zeit gelassen.

In Trelleborg haben wir dann endlich mal das Beweisfoto für meine Kollegen gemacht, die nicht recht glauben wollten, dass ich auf Reisen immer eine Espressotasse dabei habe.

Für die Sammlung: Der südlichste Punkt Schwedens am Smygehuk.

Noch ein bisschen südschwedische Idylle…

Wir sind dann auch absichtlich nicht bis Ystad gefahren, sondern haben uns im sehr süßen Dorfgasthof in Skivarp eingemietet.

Tag 7 Skivarp – Ystad 22 km
So haben wir uns am nächsten Morgen nur noch nach Ystad reinrollen lassen. Haben kurz abgecheckt, wie das mit der Fähre funktioniert und wo wir abends hin müssen.

Ansonsten sind wir den ganzen Tag durch die Altstadt gebummelt.

Waren im Kunstmuseum…

… und im Klostermuseum.

Gegen Abend konnten wir dann auf die Fähre.

Leider habe ich aber im Fährhafen wieder kein schwedisches Grenzschild für die Fotosammlung gefunden.
Das mit der Fähre hat ganz gut geklappt. Es wäre aber schön, wenn Radler nicht über die endlosen Umwege und Rampen der Autofahrer irren müssten. Die Nacht in der Außenkabine war okay. Mir ging nur die Dauerlüftung auf die Nerven.
Tag 8 Heimreise 22 km
Zu früh am Morgen kamen wir in Świnoujście an.
Wir hätten dort direkt in den Zug steigen können, aber ich wollte wenigstens von der polnischen Grenze ein Foto. Und mir war auch aufgefallen, dass ich vor lauter Nachbarländern noch nie ein Foto von einem deutschen Grenzstein plus Rad gemacht hatte.

In Züssow hatten wir genug Aufenthalt, um für ein nettes Frühstück und etwas Proviant zum inklusiven Bio-Hofladen und Café Ostseeländer zu radeln, der von der Diakonie betrieben wird.

Nur noch ein letztes Belegfoto vom Berliner Hauptbahnhof, denn die Rückfahrt verlief erstaunlicherweise (fast) ereignislos und es gibt davon nichts weiter zu berichten. Ist ja auch mal schön.
Fazit
Was bleibt zu sagen?
Schön wars!
An ganz vielen Todos oder Wünschen können wir (oder kann ich) einen Haken dran machen. Check, Check, Check:
- Fahrradabteil im ICE 4 ausprobieren
- Kopenhagen itself
- Fahrradinfrastruktur in Kopenhagen radeln
- Metro in Kopenhagen fahren
- Ostsee
- Schweden/neues Land kennenlernen
- Bahnradwege radeln und neue Bahnstrecken fahren
- Über Nacht Fähre fahren
- Grenzsteinfotos machen
- ganz viel Radeln, in Summe 366 km
- Vater-Tochter-Quality-Time
Wir waren abends meist problemlos und sehr lecker vegan essen. Die Auswahl in den Supermärkten war super, wenn auch bisweilen für uns Touris skurril. Die Menschen waren sehr nett und hilfsbereit, die Autofahrer:innen rücksichtsvoll, die Fahrradinfrastruktur traumhaft.
Danke Dänemark und Schweden, wir kommen gerne wieder.