Von Weiher Richtung Süden – Nachlese
#VWRS20 (Von Weiher Richtung Süden 2020) – so war damals mein Hashtag. Im Jahr darauf hätte er dann #DACH21 lauten sollen. Nun ist aber aus Gründen #DACH23 draus geworden.
2020 hatte sich wegen Corona die Richtung meiner Deutschlandumrundung umgedreht. 2019 war ich im Uhrzeigersinn bis Dänemark gekommen. Nun ging es gegen den Uhrzeigersinn von zu Hause in Tagesetappen bis nach Schaffhausen. Bis in dieses Jahr (2023) hatte es andere Projekte gegeben, aber keine Fortsetzung der Deutschlandumrundung in irgendeine Richtung.
Jetzt wollte ich das endlich wieder anpacken und hatte entschieden, dass es in Schaffhausen weitergehen sollte. Von da sollte mich mein Weg über die Schweiz, den Bodensee (als angrenzendes „Meer“) nach Österreich führen. Deshalb also #DACH23. Den Verlauf seht Ihr hier schon mal in der Karte (blau Radeln, rot Schiff oder Zug)
Tag 1 Schaffhausen – Staad 10 km
Es war auch klar, es würde mit dem Pierrot weitergehen, weil das Basso definitiv nicht alpentauglich ist.

Also ging es locker #bwegt nach Schaffhausen, das man mit dem Deutschlandticket erreichen kann.

Trotz der vielen schönen Radwege (die Ihr auf dem Schild rechts erahnen könnt), wollte ich mit dem Schiff rheinaufwärts fahren und dabei gemütlich Rivella süffeln. Diese Schifffahrt wollte ich schon 2022 bei #RundUmBaWü machen. Da war aber der Wasserstand zu niedrig.

So kam ich also über den Hochrhein, den Untersee, den Seerhein bis nach Konstanz. Das Pierrot gut verstaut ganz vorne im Bug.

Eine Unterkunft habe ich dann nach sehr kurzer Radelstrecke in Staad gefunden, wo die Fähren nach Meersburg starten.
Tag 2 Staad – Feldkirch 100 km
Was ich dann am nächsten Morgen genutzt habe.

Und plötzlich war ich auf der Fähre im Rennradlerhimmel. Gefühlt hunderte Rennradler:innen enterten mit mir zusammen die Fähre. Wie sich herausstellte, war ich in den Bodensee-Radmarathon hineingeraten. Deshalb habe ich auch endlich mal wieder ein Foto von mir, weil sich da eh alle gegenseitig fotografiert haben.

In Meersburg haben sich unsere Wege aber schon wieder getrennt. Der Marathon biegt dort gleich ins Hinterland ab, ich wollte aber am Ufer fahren.

Erste kleine Pause am Hafen in Hagnau.

Die gefühlt 500 m lange Bahnstrecke von Friedrichshafen Hafen nach Friedrichshafen Stadt fehlte mir noch in meiner Sammlung. Wobei ich kurz überlegt habe, mit der Bahn bis nach Aulendorf zu fahren.

Ich wollte dann aber doch den Bodenseeradweg am Ufer genießen, wo es wie hier in Langenargen wirklich hübsch ist …

…und sich wie hier in Nonnenhorn auch schöne Rastplätze anbieten.

Dann war ich auch schon in Österreich. Erstes Ziel erreicht. Da hätte ich gleich wieder heim fahren können😉
Ne, natürlich nicht. Ich hatte da so eine Idee, den Hashtag noch zu erweitern.

Aber erstmal habe ich mir Bregenz angeschaut.

Und mir dann gepflegt das Kettenblatt ins Schienbein gerammelt. Das leichte Pierrot fällt doch schneller um als gedacht. Nur so an die Hüfte lehnen und andere Dinge tun, ist keine gute Idee => Lesson learned.

Über Dornbirn bin ich bis Feldkirch gekommen. Die Jugendherberge dort ist im alten „Siechenhaus“ etwas außerhalb untergebracht, aber sehr hübsch.
Tag 3 Feldkirch – Scuol 71 km
Feldkirch war der perfekte Startpunkt für einen ganz besonderen Ort für meine Sammlung.

Diese Stelle repräsentiert mehrere Besonderheiten gleichzeitig:
- den westlichsten Punkt Österreichs
- den nördlichsten Punkt Liechtensteins
- das Dreiländereck Liechtenstein, Österreich, Schweiz
Ich habe hier folglich die Grenze nach Liechtenstein überschritten. Ein Land, in dem ich noch nie war!

Somit betrat ich mit Vaduz auch eine europäische Hauptstadt, die ich noch nicht kannte. Das Regierungsviertel ist recht übersichtlich.

Hier war Liechtenstein auch schon wieder zu Ende. Hat nur 3 Stunden gebraucht. Eigentlich dachte ich auch, hier wäre das zweite Dreiländereck. Das stimmt aber nicht ganz. Das ist oben auf nem Berg. Egal. Dafür habe ich noch schnell den westlichsten Punkt von Liechtenstein mitgenommen. Der ist aber komplett unspektakulär.

Wichtiger war mir, für die Welt-Challenge ein Foto an der Grenze zur Schweiz zu machen. Dafür musste ich nur ein kleines Stück wieder flussabwärts radeln.
Dann ging es wieder den Rhein hoch bis Landquart.

Ich hatte vorher schon viele Ideen entwickelt, wie es weitergehen könnte. Nur war es trotz neuem Radel keine gute Idee, irgendwelche Pässe hochzufahren. Es war trotz September noch viel zu heiß und ich zu unfit. Also habe ich mich an das Projekt Mit dem Zug hoch, mit dem Rad runter entsonnen und den Capricorn von Landquart durch den Vereinatunnel nach Scuol bestiegen.

Teile der Strecke war ich zwar schon gefahren, aber die Schleife von Klosters zum Tunneleingang und das letzte Stück vom Tunnelausgang bis Scuol fehlte mir noch.

Schon wieder eine Jugendherberge! Die in Scuol ist ziemlich modern …

… und liegt direkt am Endbahnhof.
Tag 4 Scuol – Silz 106 km
Scuol liegt auf 1250 m ü. M.. Wie gut, dass es von da durchs Inntal fast nur noch runter geht. Jeder kleine Gegenanstieg hat mir gezeigt, wie wenig ich akklimatisiert war.

Der erste einheimische Rennradler, dem ich begegnet bin, hat mir versichert, der offizielle Inntalradweg wäre mit dem Rennrad „nicht fahrbar“. Also bin ich auf der Straße geblieben.

Nur an einem kurzen Abschnitt habe ich es versucht. Der war dann gar nicht so schlecht – Strade Bianche quasi.

Zack – die nächste Grenze!

Nach einer kleinen Pause im wunderschönen Pfunds ging es weiter das Inntal runter.

Über die Pontlatzer Brücke…
Hier hatten schon die alten Römer eine Brücke erbaut. Hier geht auch die Via Claudia Augusta drüber. Dieser Fernradweg über die Alpen war auch der Grund, warum mir nun dauernd bepackte Reiseradler:innen entgegenkamen. Die Via Claudia Augusta wird wohl hauptsächlich Richtung Süden befahren. Ich dagegen lies mich eher Richtung Norden und meist Richtung Osten das Inntal runterrollen. Wobei das nicht ganz stimmt, denn abends hatte ich trotzdem viele Höhenmeter auf der Uhr stehen. Die kleinen fiesen Gegenanstiege summieren sich doch ganz schön auf.

Hinter Landeck wird das Inntal dann bedeutend flacher. Ringsum sind immer noch hohe Berge, aber die Talsohle ist jetzt breiter und meistens flach. Dadurch werden aber auch schöne Fernblicke möglich, wie hier auf den Imsterberg.

Diesen Blick durchs Tal mag ich besonders. Hier hatte ich an einer Kapelle für ein Päuschen halt gemacht. Und ich wollte überlegen, wo ich die Nacht verbringe. Da sehe ich beim Pieseln zwischen den Bäumen einen hübschen Kirchturm und hab spontan beschlossen, in diesem Ort eine Unterkunft zu suchen.

Der Ort hat sich als Gemeinde Silz herausgestellt und meine Wahl als eine sehr gute. Im Gasthof Zum Löwen klärt sich die Frage nach einem Zimmer noch auf althergebrachte Weise und die Antwort überaus positiv für Mensch und Maschine.

Normalerweise fotografiere ich mein Essen ja nicht. Aber „Die Poscht“ scheint nach dem Besucherandrang unter der Woche außerhalb der Saison zu schließen, weithin einen guten Ruf zu haben. Was soll ich sagen? Zu Recht!
Das Backhendl war ein Traum und der Zirbenschnaps ein wohliger Abschluss.
Tag 5 Silz – Schwaz 80 km
Danach war klar, dass ich nach Innsbruck radle.

Wobei der Anblick der Streckenführung der Mittenwaldbahn mich durchaus ins Grübeln gebracht hat.

So, „“Goldenes Dacherl“ fotografieren – check.
Wie so oft auf meinen Touren war mir aber die große Stadt Innsbruck zu voll und hat mich mit den zahlreichen Möglichkeiten überfordert.

Da hat mir das kleine Hall in Tirol schon fiel besser gefallen. Außerdem hatte ich innabwärts so eine Idee…

Dafür war Schwaz genau der richtige Ausgangspunkt bzw. Übernachtungsort für den folgenden Ruhetag.
Tag 6 Schwaz – Mayrhofen 650 m => Ruhetag
Tatsächlich bin ich am nächsten morgen nur die 650 Meter zum Bahnhof geradelt. Den ganzen Rest sollte ich entweder schieben oder mit anderen Verkehrsmitteln zurücklegen.

Ich wollte ja schon immer mal in so einem Doppelparker mein Rad parken. Dazu hatte ich in Jenbach die Gelegenheit.

Von dort bin ich mit der Achenseebahn gefahren.

Da kann man gleich ein Kombiticket auch für die Achenseeschifffahrt erwerben.
Ich hab schon Freunde raten lassen, woher das Foto stammt. Die Vermutungen gingen eher Richtung Norwegen oder Italien.

Das Schiff fährt den ganzen See im Zickzack ab und wieder retour. Und dann bremst sich die Achenseebahn rumpelnd wieder ins Inntal runter. Das man auf dem Foto ein bisserl erahnen kann, weil die Wolken im Hintergrund viel tiefer hängen.

Weil noch Zeit war und ich ja partout nicht radeln wollte, bin ich noch mit der Zillertalbahn bis nach Mayrhofen gefahren. Hier hatte ich 1980 mit meinen Eltern einen Urlaub verbracht. Mit den ganzen Bahnen sind wir aber damals nicht gefahren. Ich hatte also Nachholbedarf.
Das erste mal hat es wirklich so richtig geklappt mit dem Ruhetag. Ich war sehr stolz auf mich.
Tag 7 Mayrhofen – St. Johann in Tirol 78 km
Zur Belohnung bin ich dann am nächsten Morgen ganz gemütlich das Zillertal wieder runtergeradelt.

So bekam ich dann auch noch schöne Bilder von der Zillertalbahn.

Für meine Sammlung gab es dann noch die Mündung des Ziller in den Inn.
Wobei die eher unscheinbar ist und der Fotograf nicht so recht ran kommt. Immerhin sieht man flussabwärts dann noch eine Weile die beiden verschiedenen Farben des Wassers, die sich erst allmählich vermischen.

Sehenswerter ist da schon das Städtchen Rattenberg. Von der Flussseite ein wenig trutzig, aber innen sehr hübsch.

Dann ergab sich wieder mal der Wunsch, mit dem Zug hochzufahren statt die steile und stark befahrene Straße. Deshalb habe ich von Wörgl nach Kirchberg abgekürzt. Da wollte ich wegen einer Jugenderinnerung gerne hin.

Von dort bin ich dem Tal der Ache gefolgt, die halt ständig ihren Namen ändert. Immerhin gibt es immer wieder herrliche Ausblicke auf das Kitzbühler Horn (siehe oben), den Hahnenkamm oder den Wilden Kaiser.

Bis Kössen wäre es an dem Tag zu weit gewesen und die weitere Route war noch etwas unsicher. Also blieb ich in St. Johann in Tirol.

Das dortige Explorer Hotel, das komischerweise „Kitzbühel“ heißt, ist zwar auf Skifahrer:innen und Mountainbiker:innen spezialisiert, bietet aber auch dem müden Rennradler eine angenehme Unterkunft…

… und einen wunderschönen abendlichen Blick auf den Kaiser.
Tag 8 St. Johann in Tirol – Burghausen 111 km
Inzwischen hatte sich auch geklärt, dass ich nicht zur Verwandtschaft an den Chiemsee radeln würde sondern zu lieben Freunden nach Burghausen.

Also folgte ich weiter der Ache, die hier Großache heißt und an diesem Morgen eine schöne Nebelstimmung zu bieten hatte.

Einmal falsch abgebogen und dann war ich zwar noch auf dem rechten Weg aber halt eher auf einem Almweg. Der war auch mit 28ern gut zu fahren. Über so ein Viehgatter bin ich aber nur einmal drüber gerumpelt und habe dann bei näherer Draufsicht auf die verbogenen scharfkantigen Stahlstreben beschlossen, das Schicksal nicht nochmal herauszufordern.

Dann war ich auch schon in Kössen. Ein früher Kaffee in der Fliegerbar war obligatorisch.

Ebenso mein Lieblingsblick über den Chiemsee zurück in die Chiemgauer Alpen.

Dann bin nach Nordosten abgebogen. Habe bei Traunwalchen die Traun überquert.

Um dann endlich wieder nach Burghausen zu gelangen.
Tag 9 Ruhetag
Hier könnte die Geschichte enden. Tut sie aber doch noch nicht so ganz.

Ich habe mir wieder einen Ruhetag gegönnt, mit viel Quality Time, Spaziergehen und leckerem Essen.
Tag 10 Rundtour Burghausen – Burghausen 58 km
Bevor ich wieder heim musste, hatte ich noch einen Tag und durfte auch noch bleiben 😉
Den habe ich für eine Rundtour genutzt. Ich bin nach Ostermiething geradelt und habe ein paar neue Bahnstrecken gesammelt wieder zurück nach Burghausen.

Unterwegs gab es diesen Fernblick auf den Watzmann.
Tag 11 Heimreise
Über die Heimreise gibt es nicht viel zu berichten. Was im ÖPNV mit Fahrradmitnahme ja auch mal schön ist.
Fazit
Die Deutschlandumrundung ging endlich weiter!
Und wie!
In Summe 615 km, dreimal Tagesetappen über 100 km und damit an gute alte Zeiten angeknüpft.
Das erste mal richtige Ruhetage geschafft. Dreimal Schiff bzw. Fähre gefahren und ganz viel Zug.
Mit Liechtenstein bzw. Vaduz habe ich gleich für mehrere Sammlungen was getan, zum Beispiel meine Sammlung europäischer Hauptstädte. Nicht zu vergessen, dass ich eine neue Sammlung „doppelte Binnenstaaten“ angefangen und gleich zur Hälfte gefüllt habe. Wobei eher unwahrscheinlich bleibt, dass ich mal nach Usbekistan radeln werde…
Was hat gefehlt?
Diesmal war kein Bahnradweg dabei. Das wiegen so Schmankerl wie die Achenseebahn aber mehr als auf.
Irgendwie konnte ich mich nie durchringen, baden zu gehen. Gehört für mich eigentlich zum Radurlaub dazu. Diesmal hat es sich nicht ergeben oder ich hatte keine Lust drauf – komisch. Gut, ich stand einmal bis zu den Knien im Inn. War das scheißkalt.
Ich habe nicht einmal gewürfelt! Alles hat sich ganz harmonisch ergeben. Will sagen: Ich bin eher nach Gefühl gefahren. Ein paar Ideen hatte ich vorher schon gehabt, habe aber versucht, nichts vorher festzulegen. Mit dem Ergebnis bin ich trotzdem sehr zufrieden.
Burghausen ist im nächsten Jahr als Startpunkt sehr schön und gut und auf alle Fälle gesetzt, falls ich dort wieder willkommen bin.
Wohin es dann geht, wird gewürfelt, versprochen. So grob Richtung Tschechien halt.